Interview “Neue Szene Augsburg” (August 2008)

Kopfsport – Das Zahnrad im Kopf
Noch gibt es nicht mal eine CD von ihnen, doch das Augsburger HipHop-Trio Kopfsport hat auch so schon für reichlich Aufmerksamkeit gesorgt. Die beiden MCs Menace (Dichtergilde/So’Twinz) und Daster (Chefetage) sind seit Jahren in der Szene aktiv und auch DJ First Strike ist kein unbeschriebenes Blatt. Seit ihren Konzerten im Rahmen der 11tausend-Aktion des Stadtjugendrings, beim Max 08 und in der BR-Fernsehsendung “Südwild” sind Kopfsport auch überregional ein Thema, die Neue Szene hat die drei Jungs nach ihrem TV-Auftritt auf dem Rathausplatz getroffen.

Ihr kommt aus Wertingen, Weißenburg in Mittelfranken und dem Ruhrgebiet bzw. Landsberg – wie habt ihr zusammengefunden?

Daster: Man kennt sich seit Jahren, hat sich auf Jams und Konzerten kennen gelernt und ganz im Sinne der alten HipHop-Schule Kontakte geknüpft. Leider gibt es diese Szene kaum mehr, mittlerweile hat fast alles nur noch Konzertcharakter. Die Grundelemente früherer Treffen – Breakdance, Graffiti, DJ-ing, Rappen, Beatbox – verschwinden langsam.

Wie seid ihr denn zum HipHop gekommen?

Daster: Durch’s Sprühen.

First Strike:
Ich hab’s mir tatsächlich selber erschlossen, angefangen vom Alte-Schule-Sampler damals mit Torch und Konsorten.

Menace:
Beim Skateboarden hat’s mich aufs Maul gehauen, beim Breaken hab ich mich verletzt, am Mikro ist bis jetzt alles glattgegangen…

Ihr setzt euch klar vom typischen Rapper-Gangster-Image ab. Was sind eure Hauptthemen, eure Message?

Daster:
Wir versuchen schon, sehr vielschichtig zu sein. Unsere Songs, die Texte zumal, erschließen sich erst nach mehrmaligem Hören. Man muss sich damit beschäftigen, das ist keine Hintergrundmusik. Es soll auch nicht so sein, dass der Beat geil ist, der Rest aber zum Wegschmeißen. Wir versuchen, verschiedenste Thematiken kritisch, aber mit ugenzwinkern anzusprechen. Und das Tolle daran: Die tiefergehenden Songs kommen am besten an, auch bei Leuten, die sonst nicht viel mit HipHop am Hut haben. Ihr vermeidet größtenteils das übliche Dissen von Musikerkollegen.

Menace: Das hat eine gewisse Tradition im HipHop, aber uns interessiert das nicht besonders. Wir versuchen, auf Missstände hinzuweisen, aber nicht mit so geistreichen Aussagen wie “Stoiber ist scheiße” oder so. Wenn wir jemanden konkret angreifen, dann sind das eher fiktive Personen, die für etwas stehen, was uns nervt.

In eurer [alten] Bandinfo heißt es: “Während sich deutscher HipHop derzeit damit beschäftigt, mit sinnfreien Texten die Generation Klingelton zu befriedigen…” Ist die Situation wirklich so schlimm?

First Strike: Was die große Masse an Veröffentlichungen betrifft, ja. MTV ist ein Witz, man produziert nur noch auf Klingeltonkompatibilität fürs Küchenradio. Die Aufmerksamkeit reicht gar nicht mehr für ein ganzes Album. Früher musste man sich noch damit beschäftigen, die Platten besorgen und sich damit auseinandersetzen. Heutzutage wird man zugeschissen damit, nicht zuletzt durch das Internet.

Daster: Aber natürlich bekommt das Publikum auch, was es verdient. Der Mensch ist faul und will geführt werden. Und die Musikindustrie kauft sich in die Medien ein und gibt vor, was angesagt ist und was nicht. Redaktionelle Arbeit findet da kaum noch statt.

First Strike: Gib uns 20.000 Euro und wir sind am Start.

Ihr nutzt das Internet aber auch sehr fleißig, um eure Songs unter die Leute zu bringen…

Menace: Das ist die Zukunft und von der Kosten-Einnahmen-Seite her nicht zu schlagen. Es gefällt uns nicht unbedingt, aber wir können’s nicht ändern.

Wie beurteilt ihr denn die Augsburger Szene?

First Strike: Sie existiert, klar, aber wir haben das Gefühl, hier kocht jeder sein eigenes Süppchen. Da könnte ein bisschen Vernetzung nicht schaden, um die Stadt wieder auf die Landkarte zu bringen.

Daster: Andererseits haben wir eine sehr gute Clubszene, gute DJs und regelmäßige Veranstaltungen in der Mahagoni Bar, im Schwarzen Schaf, Kerosin und Kantine.

Ihr geht im MySpace-Culture-Guide des Magazins Prinz für München an den Start – das geht ja gar nicht eigentlich!

First Strike: Moment, wir gehen nicht für München an den Start, die Zeitschrift hat halt in Augsburg kein Büro und so haben sie uns unter München eingeordnet, aber es steht klar drin: die Augsburger Gruppe. Also völlig undramatisch, wir sind drin – was erstaunlich ist als Nicht-Münchner Band – und Augsburg ist drin. Ist ja eigentlich eher ein Armutszeugnis für die Landeshauptstadt.

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Daster:
Im September wird unsere EP “Wasser und Brot” erscheinen: sechs Songs zum Singlepreis auf CD – Vinyl ist leider zu teuer – und bei Musicload und I-Tunes. Am 8. August spielen wir im Schwarzen Schaf und im Herbst wird’s zur CD-Veröffentlichung natürlich einige Gigs geben.

Im Netz: www.kopfsport.com
(flo)

Tags: , ,

Comments are closed.